Die kleine Leseprobe

 

Hier werden ab sofort "Appetizer" eingestellt, Kürzest-Geschichten. Sie sind mit Bedacht ausgewählt, damit Sie, pars pro toto, einen kleinen Eindruck von meinem Schreibstil bekommen.

 

 

Die Parkkarte

 

 

Ich war heute in Bamberg - als Autor und Textweber. Die Hitze trieb mich mit dem Auto ins Parkhaus.

Kurz vor 11.30 Uhr war ich fertig, die Stadt ein Glutofen. Ich nahm das Parkticket aus meiner Aktentasche, der XXXL-Tasche mit den vielen Fächern und Schlünden, um am Automaten die Parkgebühr zu entrichten. Die Karte klebte schier an meiner schweißigen Hand. Kurzer Blick in den Geldbeutel. Ein 50-Euro-Schein, Kleingeld Fehlanzeige. Vor mir der Automat, nur für Barzahlung und Geldkarte, die ich nicht nutze. Dann Aufatmen: Ich habe ja Kleingeld im Auto!

Ich lief in die Garage zum Wagen, zuckte zusammen. Wo habe ich die Parkkarte hingesteckt? Ich fasste in sämtliche Hosentaschen, dann in die Tasche, zuunterst, zuoberst, stülpte sie regelrecht um.

Doch die Karte war verschwunden.

Ich durchmesse das Parkhaus, laufe den ganzen Weg zurück zum Automaten, eile zurück zum Auto, nochmals der Blick in die Tasche.

Vergebens.

Verlorenes Ticket, Kostenpunkt 18 Euro, doch wie bezahlen? Der Automat nimmt zwar 50-er Scheine, aber nur bei einer Parkschuld über 30 Euro.

Ich füge mich in das Unvermeidliche, suche den Wärter, den es in diesem Parkhaus noch gibt. Wie nicht anders zu erwarten, ist er gerade unterwegs. Ich muss mir die 50 Euro woanders wechseln lassen.

Ich kaufe mir in einer typischen Bamberger Touri-Eisdiele ein völlig überteuertes Frust-Eis, zwei Kugeln um 3,10 Euro, davon offenbar 10 Cent extra für die Waffel. Pflichtschuldigst öffne ich dabei für ein Zehnerl das Münzfach des Geldbeutels zum leichteren Herausgeben.

Da leuchtete mir das Parkticket entgegen, das ich, klar, als ich sah, dass es mir an Kleingeld fehlte, dort reingetan hatte. In alle Fächer und Ritzen hatte ich geschaut, nur dorthin nicht. Ende gut, alles gut. Ich ließ mir mein Frust-Eis schmecken und lief zurück zum Parkhaus.

Nur gut, dass der Wärter unterwegs gewesen war, sonst hätte ich ihm meinen 50-Euro-Schein für die Strafgebühr gegeben und erst beim Einstecken des Rausgelds die Parkkarte entdeckt. Hätte mich gescheit geärgert und mir womöglich noch eine spöttische Bemerkung eingehandelt.

Ermattet sank ich auf den Fahrersitz. Zum Glück stand der Wagen im Parkhaus, und da war es kühl. 


Martin Meyer

Schriftsteller und Musiker


© Autorenfoto: Manuela Obermeier

© Hintergrundbild: Ulrike Schaller-Scholz-Koenen