Aus der Welt der Musik

 

Nicht nur Bücher versetzen mich in Schwingungen, ebenso die Musik – von Schütz bis Boulez.

Auch hieran möchte ich Sie gerne teilhaben lassen.

 

 

Orgelkunde (2)

 

Der Klangreichtum der Orgel beruht auf der Vielfalt der Pfeifen. Grob gegliedert, gibt es deren zwei Grundtypen: Labialpfeifen und Zungenpfeifen. Bei einer Labialpfeife strömt die Luft durch eine Lippe aus der Pfeife und versetzt die ganze Pfeife in Schwingungen, wie etwa auch bei einer Blockflöte. Bei Zungenpfeifen vibriert ein Metallblättchen; dabei entsteht ein leicht schnarrender Ton wie bei einer Mundharmonika.
Neben der Bauart der Pfeife bestimmt deren Größe den Ton, sie wird in "Fuß" bemessen. Die größten sind die 32-Fuß-Pfeifen, die es nur in größeren Orgeln gibt, weil sie bis zu 10 Metern lang sind. Je mehr Fuß, desto tiefer der Ton.

 

Orgelkunde (1)

 

Orgeln sind keine Tasteninstrumente, sondern Blasinstrumente; die Töne kommen nicht durch Tastendruck, sondern durch Luft zustande, die, geleitet durch Registerzüge, in die jeweils aktivierten Pfeifen der Orgel strömt und sie so zum Klingen bringt.

Die ersten Orgeln wurden bereits im frühen Mittelalter gebaut. Sie prägen die Musik in den christlichen Kirchen des Westens; in den orthodoxen Kirchen (und in den jüdischen Synagogen) gibt es sie im Allgemeinen nicht.

Vor kurzem wurde die deutsche Orgelbaukunst von der UNESCO zum "Immateriellen Weltkulturerbe" erklärt.

 

150 Jahre Ein Deutsches Requiem

Vor 150 Jahren wurde - im Dom zu Bremen - die erste Fassung von Brahms' "Deutschem Requiem" uraufgeführt. Für mich gehört es zu den Hauptwerken der geistlichen Musik. Es fußt auf Bach, erinnert an Mendelssohn und präludiert die Abgründe des zwanzigsten Jahrhunderts - ist jedoch ganz Brahms. Es gipfelt in der Vertonung von Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Greift also nicht die Worte der Totenmesse auf, sondern (ganz protestantisch) Bibelstellen.
Auch sonst war Brahms ein gläubiger Mensch; er hat auch Choralvorspiele für die Orgel komponiert.

 

Barbara Kraus, Techniken des Orgelübens. Die kürzeste Verbindung zwischen Händen und Füßen ist das Gehör. Medien Kontor Hamburg, 5. Aufl. 2009

 

Welcher übende Organist neigt nicht bisweilen zum Durchspielen, zum stupiden Immer-Wieder-Ganz eines Stückes? Hier setzt die Autorin an; sie schult zum intelligenten Üben, zumal an Fingersätzen (seufz), Pedaltechnik, Feinmotorik, Geläufigkeit und den anderen notorischen Lindenblattstellen. Gehör und Üben gehören für sie untrennbar zusammen. Manches wird auch für den Klavierspieler von Interesse sein, wenngleich die Autorin die Unterschiedlichkeit der beiden Instrumente betont. Ein Vademecum also, das auch und gerade dem nebenamtlichen Organisten ans Herz gelegt sei. Schade nur, dass es mir erst jetzt untergekommen ist.

 

O du fröhliche, o du selige

 

Die Melodie dieses Weihnachtsliedes entstammt einer alten sizilianischen Schifferweise und wurde um 1816 in Weimar von Johann Daniel Falk, der dort Waisenkinder in seiner Obhut hatte, für ein Lied über Weihnachten, Ostern und Pfingsten aufgegriffen. Von ihm stammt also die erste Strophe.

1829 schrieb Heinrich Holzschuher die beiden weiteren weihnachtlichen Strophen dazu. Falks ursprüngliche Verse zu Ostern und Pfingsten sind leider vergessen.

  

Wachet auf, ruft uns die Stimme

 

Nicht nur am Ewigkeitssonntag berührt einen diese so großartige Bach-Kantate über den gleichnamigen Choral. Sie hat auch in Bachs Orgelwerk Eingang gefunden und gipfelt im berühmten Schlusschoral Gloria sei dir gesungen.
Überschrieben ist sie mit dem Titel "Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis". Einen 27. Sonntag gibt es nur dann, wenn Ostern vor dem 26. März liegt. Die Uraufführung am 25. November 1731 war daher leicht zu datieren, weil dies in Bachs Leben nur dreimal der Fall war.

 

Die Bachs

 

In den letzten Jahren sind vermehrt Bücher erschienen, die sich, über Johann Sebastian hinaus, mit der ganzen Familie Bach beschäftigen. Prägten doch die Bachs in Thüringen und Teilen Frankens über Jahrhunderte hinweg derart die Musikwelt, dass sie nicht nur im Maßstab Deutschlands einzigartig ist. Mehr noch als in der Literatur die glamourösen und daher meist überschätzten Manns.

Man erfährt hierbei, dass ein Urahn Veit Bach, weil Protestant, in der Gegenreformation der Habsburger aus Ungarn nach Thüringen hat emigrieren müssen, und staunend stößt man auf so manch anderen hochbegnadeten Bach.
Die, da immer mit der Elle des großen Thomaskantors gemessen, meist in Vergessenheit geraten sind.

 

Lob des "Kleinmeisters"

 

Johann Sebastian Bach hat die Messlatte hoch gelegt. Die meisten sind an dieser Höhe gescheitert. Doch messe man nicht mit zu langer Elle. Viele heute gerne vergessene und abschätzig "Kleinmeister" genannte Komponisten haben die nebenamtlichen Organisten mit leicht zu spielenden, aber qualitätvollen Orgelstücken versorgt und dadurch viel zum Niveau der Kirchenmusik beigetragen.

Man denke an die (so einst Albert Schweitzer) "beste je geschriebene Orgelschule", die Acht Kleinen Präludien und Fugen, die lange als ein Frühwerk Bachs galten, tatsächlich aber wohl von einem seiner Schüler komponiert wurden.

 

Zur Geschichte der Posaunenchöre

 

Seit meiner Jugend spiele ich im Posaunenchor. Diese meist in der evangelischen Kirche beheimateten Chöre bildeten sich im 19. Jahrhundert aus, suchten sich als geistliche und ehrenamtliche Laienchöre von weltlichen Kapellen abzugrenzen. Dabei war es vor allem der charismatische, aber gestrenge "Posaunengeneral" Johannes Kuhlo (1856-1941), der von Westfalen aus in ganz Deutschland diese Chöre ins Leben rief, in der romantischen, auf Flügel- und Tenorhörner gründenden Tradition. Schon vor Kuhlos Tod setzte jedoch eine Gegenbewegung ein; man ächtete die zu weich klingenden Hörner und bevorzugte Trompeten und Posaunen.

Dieser Tage sind freilich wieder alle Bauarten dabei: Trompeten, Hörner, Posaunen und Tuba. Zusammen mit den Kantoren an der Orgel bereichern wir Chöre in erster Linie die Gottesdienste, treten heute aber auch bei weltlichen Anlässen auf.

 

Meine Instrumente (1): Die Posaune

 

Seit meiner Jugend spiele ich Posaune und, wie sich das für einen kirchlich sozialisierten Menschen gehört, in einem Posaunenchor.

Ihre charakteristische Gestalt verdankt sie dem Zug, welcher, je weiter er hinausgezogen wird, die Naturtöne mehr und mehr absenkt und dadurch ein chromatisches, aus Ganz- und Halbtönen bestehendes Spiel erst ermöglicht.

Und weil sie so kräftig ist, hat sich die deutsche Sprache dazu das Wort hinausposaunen ausgedacht.

 

Mein Geheimtipp: César Franck, Symphonie in d-moll

 

Wie bei sehr vielen Werken, die nur wenig gespielt werden, ging schon die Uraufführung daneben. In Paris tobte ein erbitterter Streit zwischen Wagner-Anhängern und Wagner-Gegnern - und Francks dunkle d-moll-Symphonie war Wasser auf die Mühlen derer, die ihn für einen Wagnerianer hielten.

Schade. Das Werk ist sehr eigenwillig und schon darin keineswegs epigonal. Im Kopfsatz ringen Lento und Allegro mit ein- und demselbem, aber unterschiedlich rhythmisiertem Hauptthema miteinander. Ein Ringen, das sich auch durch die zwei weiteren Sätze zieht bis zum versöhnlich aufgehellten Schluss.

 

Martin Luther und die Musik

 

Luthers Bedeutung für die gottesdienstliche Musik ist offenkundig, sollte jedoch nicht zu hoch veranschlagt werden. Einige seiner Lieder, etwa "Nun komm, der Heiden Heiland", sind Übersetzungen älterer lateinischer Hymnen. Bei vielen seiner Texte holpern Metrum und Reim, beißen sich mit dem Takt der Melodie. Hier zeigt sich, dass Martin Luther die theologische Botschaft wichtiger war als der Klang. Erst Paul Gerhardt war es schließlich beschieden, Glauben und Poesie kongenial zu vereinen. Heute sind seine Lieder beliebter als die des Reformators.

 

Große Dirigenten (1): Herbert Blomstedt (geb. 1927)

 

Vor ein paar Jahren war es mir vergönnt, Herbert Blomstedt live in der Semper-Oper zu erleben, am Pult der mit ihm eng verbundenen Staatskapelle Dresden.

Was für ein Kontrast zu den Mätzchen so mancher Pultstars: kein eiteles Herumgockeln, sondern Grandezza. Innere Größe, die keiner Geste bedarf. Trotz seines biblischen Alters immer wach und präsent, mit einer inneren Ruhe, die andern Dirigenten in ihren späten Jahren verloren gegangen ist. Ad multos annos!

 

Große Dirigenten (2): Sergiu Celibidache (1912-1996)

 

Gewiss, er war ein schwieriger Mensch, duldete keine Kompromisse und zog dem Betrieb so manches Mal eine lange Nase. Ein Funken sprühendes Urgestein und doch mit einem langen Atem.

Da war und blieb, etwa in Beethovens Neunter, ein Adagio molto ein Adagio molto und kein Andante quasi allegretto; ein kostbares Atemholen zwischen dem Scherzo und dem Presto des Freude schöner Götterfunken. Göttlich, gerade im Hier und Heute all unserer Hast und Ungeduld.

 

Jauchzet, frohlocket ...

 

Der feierliche Fanfarenzug zu Beginn von Bachs Weihnachts-Oratorium kann, wie alles allzu Plakative, zu Völlegefühl und Überdruss führen.

Anlass genug, zumal jetzt nach den Weihnachtsfeiertagen, mal die stilleren Teile vier bis sechs des Oratoriums zu hören - nicht minder großartige Musik, die aber so bei mancher Aufführung gekappt wird.

 

Mein liebstes Orgelstück?

 

Sehr schwierig. Zu viele, die ich schätze, und das sind nicht die zuschanden gesampelten Gusto-Stückerl.

Dennoch möchte ich ein Werk herausgreifen: Bachs Passacaglia in c-Moll. Ein Bass wie ein Federstrich, ein sehr dominantes, markantes Ostinato, das einem tief unter die Haut geht, stetig wiederkehrend, doch oben in den Stimmen an keiner Stelle eintönig.

Schwer. Aber nicht so schwer, dass es mir nicht gelingen könnte, es eines Tages selbst zu spielen?

 

Mein Vinyl

 

Hand aufs Herz, ich höre sie nur mehr ab und zu: meine Schallplatten - von Buxtehude bis Bartok, von Gut bis Böse.

Doch wegtun möchte ich sie nicht. Ihr warmer, von Schrunden und Knistern gesäumter Klang erinnert mich sachte daran, dass Musik lebt und webt, zum Be-Greifen, nicht zum Streamen. Ihr auf dreißig Minuten begrenzter Raum gönnt uns Genuss, in verträglichen Portionen. Wider alle Endlosschleifen und Berieselung.

 

Musizieren und Schreiben zugleich?

 

Verträgt sich, jedenfalls bei mir, eher nicht. Bin ich musikalisch aktiv, macht das Texten Generalpause. Nach einem Sonntagvormittag mit einem oder gar zwei Einsätzen an der Orgel muss mein Gehirn völlig umpolen, und das geht nicht auf Knopfdruck.
Hat doch freies Musizieren und Improvisieren stets mit Mathematik zu tun. Es aktiviert und fordert andere Bereiche des Denkens als das Schreiben.
Auch beim Schreiben selbst schweige stets die Musik, welcher Gattung auch immer. Erst hernach ist sie mir willkommen; sie fährt mich, wenn mit Bedacht ausgewählt, innerlich runter und bringt mich oft auf prickelnde Ideen.

 

Jazz

 

Vor Jahren hatte ich eine Jazz-Phase. Ich hörte mich in die Blue Notes hinein und kaufte mir Platten für eine kleine Bibliothek, etwa die großen Konzerte Keith Jarretts oder John Coltranes A Love Supreme.

Leider kam ich wieder davon ab. Mir fehlt oft die Zeit, denn Jazz ist in meinen Ohren kein Nebenbei; er fordert mich mit Haut und Haaren. Kuschel-Jazz oder ähnliche Scheiben mit Häppchen sind mir ein Graus; Jazz will im Album, als Zyklus nachvollzogen sein. Grund genug, nach dem Schreiben mal nicht Schubert zu hören, sondern Weather Report oder Miles Davis wiederzuentdecken.

 

Ein Eckstein der Musikgeschichte: Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violine in A-Dur (Kreutzer-Sonate)

 

Bereits Bach hatte damit begonnen, die Violine von Cembalo und Klavier zu emanzipieren. Es war jedoch noch nicht an Mozart oder Haydn, sondern erst an Beethoven, hier einen klaren Schlusspunkt zu setzen.

In der Kreutzer-Sonate (1803) sprengt er die Form ins Konzertante, die Figuration beider Stimmen geht deutlich über das bis zu diesem Zeitpunkt Übliche hinaus. Ein Werk für eine Flasche edlen Bordeaux.

 

Komponisten-Schicksale: Bedřich Smetana (1824-1884)

 

Smetana war der Begründer der tschechischen Nationalmusik und genießt bis heute große Verehrung. Jedoch waren einige seiner Werke von einem zunehmend um sich greifenden Gehörleiden gezeichnet.

So in seinem 1. Streichquartett „Aus meinem Leben“, dessen letzter Satz um ein flirrendes, tinnitusartiges e oszilliert. Und sein sicher berühmtestes Werk, „Mein Vaterland“ mit der „Moldau“, schuf er in völliger Taubheit.

 

Musik zur Stimulanz: Camille Saint-Saëns, Symphonie Nr. 3 in c-moll, op. 78 (Orgel-Symphonie)

 

Nicht alle Musik beschwingt mich während meines Schreibens; sie kommt meist erst nach dem Tages-Pensum.

Anders bei diesem Meisterwerk der französischen Romantik, das sicher bekannteste Stück des häufig unterschätzten Komponisten. Vor allem jedoch das Poco adagio, das, mit seiner sphärisch einsetzenden Orgel, mich mit inniger Wärme durch mein derzeitiges Kantoren-Roman-Projekt geleitet.

 

Ein lange verkannter Komponist: Franz Schubert (1797-1828)

 

Oft nannte man ihn „Schwammerl“, wegen seines infektiös aufgequollenen Gesichts. Oder er galt als „trinkfester Weaner“. Fieberhaft schrieb er dagegen an und verzehrte sich darin zu früh.

Aber welches Genie in all seiner Gebrochenheit! Vor allem in seinem Streichquintett, kurz vor seinem Tod. Mein Werk für die einsame Insel, zumal im Adagio, das in meinen Ohren ein Gipfel aller Musik ist.

 

Barock, aber gegen den Strich: Die Bach-Bearbeitungen des Jacques Loussier Trios

 

Klavier, Bass, Schlagzeug anstatt Orgel, und doch unverkennbar Bach. Zugleich ein Beweis für die ungebrochene Vitalität dieser etwa 300 Jahre alten Musik, ob im wilden, schlanken Duktus der frühen sechziger Jahre oder auch in den neuen, die digitale Aufnahmetechnik ausreizenden Interpretationen von 1993/94.

 

In der Musik liegt die Kraft (1): Johannes Brahms, Sonate für Violine und Klavier G-Dur (1879)

 

Während des Schreibens höre ich keinerlei Musik, erst danach, als Ausgleichssport, zum Neuverschalten des Verstandes.

Besonders gerne dieses Werk, die "Regenlied-Sonate" in der transparenten und daher in der Romantik gemiedenen Tonart G-Dur.

 

Orgeln, auf denen ich im Gottesdienst spiele (1): die Orgel im Bamberger Wilhelm-Löhe-Heim.

 

Eine kleine, eher unscheinbare Orgel, aber ich möchte sie nicht unterschlagen. 8-Fuß, à la discrétion, ein starker 4-Fuß für den Gesang, dazu, mit Bedacht, da leider ein wenig verstimmt, ein Gemshorn sowie fürs Pleno eine Mixtur. Verschluckt sich nicht gleich bei meinen Verspielern, da sangesgewaltiges Publikum.

 

In der Musik liegt die Kraft (2): George Gershwin, Rhapsody in Blue (1924)

 

Schon die bohrend-quäksenden ersten Takte nehmen den Zuhörer gefangen, denn sie sind das Kraftzentrum dieses in den Formen so wunderbar formlosen Stücks.
Das bei mir, jedesmal wenn ich es mir vergegenwärtige, zumal vor dem Schreiben, kreative Eruptionen freisetzt.

 

Ein häufig verkanntes Werk (1): Robert Schumann, Konzert für Violine und Orchester d-Moll (1853)

 

Vieles wurde gegen dieses Konzert vorgebracht: Solostimme zu tief, nicht virtuos, vom Verfall gezeichnet …

Trotzdem und gerade deswegen: Ein echter, wertvoller Schumann, der mir tief unter die Haut geht.

 

Ein häufig verkanntes Werk (2): Ludwig van Beethoven, Konzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester C-Dur (Tripelkonzert, 1804)

 

Immer im Schatten der anderen Konzerte Beethovens, wegen des sehr einfach gehaltenen Klaviersatzes. Trotzdem ein wertvolles Stück mit Tiefe - mit vielen einprägsamen Melodien und, trotz der strahlenden Tonart, von einer unterschwelligen Melancholie.

 

Orgeln, auf denen ich im Gottesdienst spiele (2): die Mühleisen-Orgel in St. Stephan zu Bamberg.

 

Ein farbenreiches und opulentes Meisterwerk von drei Manualen - zumal für mich, den gelernten Dorf-Organisten.

Nur gut, dass es neben der Spielelektronik auch Registerzüge gibt, denn: Schuster, bleib bei deinen Leisten!

 

Johann Sebastian privatissime, Teil 1: Bachs Orgelmusik

 

Was ich am meisten schätze? Nein, nicht Ta-ti-taaa, ta-ta-ta-taaa-taaa - sprich jene von den Zweitverwertern dieser Erde zuschanden gerittene Toccata.

Sondern die aufwühlende Passacaglia in c sowie die schlanke und dennoch tiefgründige „kleine“ Fuge in g.

 

Johann Sebastian privatissime, Teil 2: Bachs Kantaten

 

Meine Lieblings-Kantate? Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (BWV 137), eine festliche Kantate, die sich textlich auf diesen unentbehrlichen (und auch von mir sehr geschätzten) Choral beschränkt.

Ob man den schlanken Fuß (à la Gardiner) oder den Duktus der deutschen Bachtradition (Karl Richter, Günther Ramin) bevorzugt, möge jeder für sich selbst entscheiden.

 

Johann Sebastian privatissime, Teil 3: Bachs Weihnachts-Oratorium

 

Das sicherlich populärste Stück aus Bachs Vokalmusik - ein Ohrwurm, und doch auch von gläubiger Tiefe. Etwas überstrapaziert, vor allem Teil 1 bis 3.

Vielleicht sollte man es mal kontrapunktisch aufführen, also die weniger geläufigen Teile 4 bis 6 in der glühweinseligen Adventszeit, und die Teile 1 bis 3 erst nach dem Fest, wenn die letzten Kokosmakronen zerbröseln.

 

Johann Sebastian privatissime, Teil 4: Bachs Sonaten für Violoncello solo

 

Fordert und fördert, Sinn wie Verstand. Belebt und tröstet. Und vor allem: Nichts für das Nebenbei, denn mehr als bloß Musik, ein Fixstern aller Musik.

Und, für die berühmte einsame Insel? Die Aufnahme mit Pablo Casals, eine alte Platte und ein wenig verrauscht. Doch welche Wärme darin!

 

Orgeln, auf denen ich im Gottesdienst spiele (3): die Rohlf-Orgel in der kath. Kirche Stegaurach.

 

Eine katholische Kirche, die auch evangelische Gottesdienste kennt. Sogar die Orgel ist gut ökumenisch, mit französischem Esprit, doch auch für Bach geeignet.

Man nähere sich ihr in aller Ruhe. Sonst rächt sich gerne, denn nicht alle Stimmen passen zusammen.

 

 

Martin Meyer
Schriftsteller und Musiker