Das kleine Gedicht

 

Gedichte bringen jede Sprache zum Klingen; sie sind weit mehr als nur Reime dich oder ich fresse dich und weisen immer über den letzten Jambus hinaus. Deshalb sei an dieser Stelle Lyrik aus meiner Feder vorgestellt.

 

 

 

Herbst

 

 

Des Abends Kälte nun lässt klirren schon die Fahnen;

Weh dem, der ganz allein, an Leib und Seele kalt,

Verloren, heimatlos, ein Opfer von Gewalt,

Den jeden Morgen quält im Wind ein banges Ahnen.

 

Das Walten dieser Zeit entbehrt gerechter Bahnen,

Ein Menschenleben gilt nicht viel in dieser Zeit,

Bedrängt von Armut groß und viel Hartherzigkeit,

Das Recht des Starken laut, zu leise alles Mahnen.

 

Du herbstlich Sonne, brich in unsren Herzen an,

Lass Farben, Obst und Wein uns unter allen teilen,

Auf dass Gerechtigkeit im Lande bricht sich Bahn!

 

Und wenn der Winter kommt, sei offen euer Herz,

Lasst den, der heimatlos, in euren Stuben weilen,

Denn gütig Wärme heilt am Ende jeden Schmerz.


Martin Meyer

Schriftsteller und Musiker


© Autorenfoto: Manuela Obermeier

© Hintergrundbild: Ulrike Schaller-Scholz-Koenen