Das kleine Gedicht

 

Gedichte bringen jede Sprache zum Klingen; sie sind weit mehr als nur Reime dich oder ich fresse dich und weisen immer über den letzten Jambus hinaus. Deshalb sei fortan an dieser Stelle Lyrik aus meiner Feder vorgestellt.

 

 

 

Im Urlaub

 

 

Ein Urlaub löst, was für ein Graus,

Seit je die Urlaubshektik aus.

Schon vorher wälzt man für das Ziel

Der Reiseführer dick und viel.

Fährt schon am ersten Samstag fort,

gar früh, damit am Urlaubsort

Man checkt als allererstes ein,

Mit Sicht zum Meer, das wär ja fein,

Bis dann die Freude, schon entrückt,

Auf „Landblick“ wird hinabgedrückt.

 

Man schluckt den ersten Ärger runter,

Im Urlaub sei man frisch und munter!

So sichert man zum Dejeuner

Sich rasch den Lachs vom Frühbuffet,

Kramt eifrig die Agenda raus,

Hakt ab, den Tag in Saus und Braus:

Museen drei, der Kirchen acht,

Ein Schlösschen noch, wär doch gelacht,

Und springt ins Meer, vom Tag schon satt,

Damit man auch gebadet hat.

 

Durchpustet vom zu kalten Wind,

Fährt man dann heim mit Frau und Kind.

Steht wiederum im Urlaubsstau

Und grollt dabei im Herzen flau:

Ich lern es nie, ich alter Narr,

Da kommt ein Atemwegskatarrh!

Schleppt sich ins Amt bei fiebrig Regen

Und staunt dann über die Kollegen:

Potz sapperlot! Ist wie verhext!

Wie sind die alle so relaxed!

 

Und die Moral von der Geschicht?

Die Urlaubszeit durchhetze nicht!

Dein Schöpfer, so du ihn gefragt,

Hätt nie von Eile was gesagt.

Lauf mal am Strand den ganzen Tag,

Die Zeh’n im Sand, ohn alle Plag,

Das Salz erspür, der Wellen Gischt,

Damit dir niemals mehr entwischt

Der Ruhe Labsal, Freud und Lust.

Ist besser denn dein Urlaubsfrust!

 


Martin Meyer

Schriftsteller und Musiker


© Foto: Ulrike Schaller-Scholz-Koenen