Das kleine Gedicht

 

Gedichte bringen jede Sprache zum Klingen; sie sind weit mehr als nur Reime dich oder ich fresse dich und weisen immer über den letzten Jambus hinaus. Deshalb sei fortan an dieser Stelle Lyrik aus meiner Feder vorgestellt.

 

 

 

Von der Zukunft

 

 

 

Nicht besser als dein großer Zeh

ist stets das Wetter im FT.

Denn dieses, wenn man's überfliegt,

oft grandios daneben liegt.

Stattdessen würfle frank und frei,

frag’s Pendel oder gieße Blei.

Noch besser als derlei Gespenster,

du schaust ganz einfach aus dem Fenster.

 

Doch es die Menschheit weiter treibt,

Orakeln stets ihr Wunschtraum bleibt.

Und nicht allein fürs Wetter morgen,

auf Jahre raus tut man sich sorgen.

Studiert gebannt das Horoskop

und dann es auf die Sterne schob.

Die spielten halt total verrückt,

wenn es zu schlechter Letzt missglückt.

 

Doch ist das noch meist Spaß und Spiel,

geht es kaum je um wirklich viel.

Schon wollen welche wie von Sinnen

den Todestag vorausbestimmen.

Mit einer App, verrückte Welt,

den Tag aufs Smartphone kriegst gestellt.

Mensch, sei gescheit, halt Maß und Ziel,

damit treib kein Orakelspiel!

 

Und die Moral von der Geschicht?

Verheb dich an der Zukunft nicht!

Denn was vom Morgen niemand weiß,

macht umgekehrt niemanden heiß.

Freu dich, wie dir auch wird der Tag,

und fall dem anderen nicht zur Plag.

Tu lieber das, was heut dir frommt,

weil’s morgen eh ganz anders kommt.

 

 

 

Der "FT" ist der "Fränkische Tag", die Bamberger Tageszeitung.

 

Martin Meyer
Schriftsteller und Musiker