Auf Spitz und Blog

 

Multum, non multa (Plinius)

 

Viel, nicht vielerlei: Tägliche Wasserstands-Meldungen, zum Wetter oder zur Stimmung, sind hier nicht zu gewärtigen.
Sondern über den Tag hinausweisendes Nachdenken, über die Sprache und Grammatik, über Orte und Örter und über die Schrunden (und Schrullen) der Zeit.

 

 

FAQs an den Autor (1): Schreiben Sie auch Liebesromane?

Nein. Sollte ich je einen schreiben wollen, gälte dem Liebespaar bereits im Voraus meine ausdrückliche aufrichtige Anteilnahme.
Dennoch spielt die Liebe bei allen meiner Roman-Projekte mit hinein, aber eben nur mit angezogener Feststellbremse.

 

Erich Kästner (1899-1974)

Das Leben ist nichts für Konfirmanden, gleich welchen Alters sie sind, dieser, hier leicht abgewandelte, Satz aus dem Schlusswort von Kästners Roman Fabian, auf den der Autor ihn gemünzt hat, geht mir nicht aus dem Sinn, da ich mich mit einer Kästner-Biographie meiner lieben Kollegin und Freundin Isa Schikorsky beschäftige.

Kästner war ein sensibler Mensch. Der nicht nur darunter litt, der immerwährende Sohn einer in ihn vernarrten Mutter zu sein. Sondern, wohl vor demselbem Hintergrund, auch daran, dass er, nach Hitler, Anpassung und Krieg, wegen seiner wunderbaren Romane für Kinder geachtet und gelesen blieb, jedoch kaum mehr zündende neue Bücher zuwege brachte.

 

O du "stade" Zeit

 

Dezember, Samstag vormittag. Die junge Postbotin rennt wie ein gehetztes Reh über die Straße, hat keine Zeit, nach rechts und links zu schauen. Und wehe demjenigen, der sich am hektischen Bäckerei-Stand zu lange mit seinem ebenfalls dort wartenden Nachbarn unterhält.

Rastlose Zeit, die alles immer schon vorgestern gehabt haben will. Rastlose Gesellschaft, die nicht begreift, dass alles seine Zeit hat. Und braucht.

 

Liesl Karlstadt (1892-1960)

 

Vor 125 Jahren wurde Liesl Karlstadt als fünftes Kind in eine bitterarme Bäckergehilfen-Familie geboren. Früh lernte sie, fest auf eigenen Füßen zu stehen. Wuchs nicht nur zur Partnerin, sondern zu Karl Valentins rechter Hand und zur Mit-Schöpferin seiner Stücke heran. Und blieb doch stets die "kongeniale" Partnerin; grad so, dass man das Geniale an ihr überging. Immer war der Schriftzug Karl Valentin auf den Plakaten mächtiger als der ihre, und selbst Speerspitzen des Fortschritts wie Bertolt Brecht oder Lion Feuchtwanger übersahen sie geflissentlich.
So litt sie, wurde derart krank, dass sie erst von Valentin loskommen musste, um wieder zurück ins Leben zu finden. Daher sei ihrer in besonderer Liebe gedacht.

 

"Stille" Nacht?

 

Jetzt sind die Weihnachtsmärkte alle offen, teils schon seit einer Woche, doch warum so weit vor dem 1. Advent? Ist Ostern zeitig im Jahr, käme doch auch niemand auf die Idee, den Karneval zu verlängern. Dann ist er eben kürzer, und alles hat seine Zeit.
In Bälde, ich ahne es nahen, werden diese Märkte schon im Oktober geöffnet, dann fällt vom Kuchen Halloween auch noch ein Stück ab, und wir schunkeln gut acht Wochen im Glühweinfieber, umschmeichelt von Jingle Bells, Krampus, Currywurst-Fettfritten, Stille Nacht, Heilige Nacht und Kling, Kasse, klingelingeling. Nein, danke!

 

Jamaika

 

Nein, nicht noch ne Wasserstandsmeldung dazu. Nur so viel: Her mit Jamaika-Zitronen, diese ausgepresst, und davon den Protagonisten zu trinken gegeben. Ungesüßt natürlich, und nicht zu knapp.

 

Friede den Läden!

Schnappatmung überall, als wie noch nie zuvor: Heiligabend an einem Sonntag! Schreck lass nach! Die Geschenke, der Kühlschrank ...!
Ruhig Blut. Wer ausflippt, kriegt Weihnachten auch so nicht gebacken. Denn es kommt nie aus heiterem Himmel. Es lässt uns Zeit, zum planvollen Kaufen, zum Innehalten und zum Atmen; und an Heiligabend in keinen Laden mehr, denn dann wird es Weihnachten in uns allen.
Dass der Heilige Abend auf einen Sonntag fällt, kommt übrigens, je nach der Abfolge der Schaltjahre, alle fünf bis elf Jahre vor.

 

Martin Luther

 

Ob Lutherbrezeln oder Lutherwein, Playmobil-Figuren oder Luthersocken - man hat ihn schamlos überstrapaziert. Bei solcherlei Luther-Gulasch gerät leicht aus dem Blick, dass der ebenso überstrapazierte Thesenanschlag höchstens ein Mosaikstein der Reformation war.
Erfreulich hingegen ist, dass das Luther-Jahr der Ökumene zugearbeitet hat. Wobei sich erst erweisen muss, was im bürokratischen Klein-Klein des Apparates Kirche tatsächlich Bestand haben wird. Es wird da letztlich wieder auf die beiderseitigen Protagonisten vor Ort ankommen.

 

Bamberg

 

Wann immer ich mitteile, dass ich bei Bamberg wohne, blicke ich in leuchtende Augen: Wow, Bamberg! War ich auch schon. Eine wunderbare Stadt.

Bamberg ist wunderbar - dank der Gunst, vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont worden zu sein (was die Bamberger so gern verschweigen oder nicht wahrhaben wollen), ist es ein Juwel der Geschichte.
Bloß leben die Bamberger im Jetzt, und das ist eher wenig ersprießlich. Wegen fast eines Dutzends Brauereien auf gut 70.000 Einwohner herrscht in dieser Stadt seit langem eine bleierne Lethargie, die die Probleme Bambergs (und die gibt es en masse) eher locht und abheftet, anstatt sie zu lösen.

 

Der geteilte Himmel

 

Noch bis 31.10. ist im Ruhr-Museum auf Zeche Zollverein in Essen eine Ausstellung zur Geschichte der Reformation im Ruhrgebiet zu sehen.

Diese ist, gelinde gesagt, unübersichtlich. Das Erzbistum Köln war in den Reformations-Wirren nicht allgemein katholisch, und in den benachbarten Vereinigten Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg fand der Augsburger Religionsfrieden von 1555 (allein der Landesherr bestimmt die Konfession) kein Gehör, sodass es dort neben Katholiken auch Calvinisten und Lutheraner gab. Und mancherorts wurde, unbehelligt vom Landesherrn, ein eigenes Konfessions-Süppchen gekocht.
So wurde das Ruhrgebiet konfessionell ein Spreuhaufen, beide Lager verfeindet. Erst mit Industrialisierung und Bevölkerungswachstum verwischten die Grenzen, sind aber noch heute erkennbar.

 

Die dargebotene Hand

 

Sexuelle Übergriffigkeiten gehörten und gehören leider immer noch zum Alltag, und sie gehören geahndet.

Doch auch das strenge Gegenteil tut uns und der ganzen Gesellschaft nicht gut, nämlich die Sorge, jede zärtliche Geste könnte als sexuell motiviert eingestuft werden. Bis keiner mehr eine liebevolle, tröstende Umarmung wagt.

Fatal, weil kein flüchtiges Wort und kein Facebook die heilende Kraft der dargebotenen Hand entwickeln kann.

 

Festina lente!

 

Wer ist heute noch zu Schiff oder gar zu Pferd? Stattdessen sitzen wir im Flieger oder im SUV mit 230 Sachen Höchstgeschwindigkeit, den wir gerne, um nicht zu Fuß zu sein, für die 500 Meter zu den Sonntags-Brötchen besteigen. Heute, da wir die Malediven binnen eines Tages (und im Internet sofort) erreichen können, ist uns das Maß für Weg und Ziel zunehmend abhandengekommen.

Daher: Festina lente, eile mit Weile! Gönnen wir uns die Zeit, bewusster, da mit Bedacht, zu reisen. Und möglichst nicht nur zur Urlaubszeit.

 

Luthers Kater-Frühstück

 

Noch sonnt sich die evangelische Kirche im Glanz des Luther-Jahrs. Mir stellt sich dabei jedoch die Frage, ob sich der Reformator für all das, was da in seinem Namen geschieht, ohne weiteres hätte in Dienst stellen lassen. Ganz sicher wird es aber danach zu einem mächtigen Kater kommen. Die Besucher-Zahlen rund um Wittenberg bleiben hinter den Erwartungen zurück, und die Erosion an Kirchen-Mitgliedern hat auch das Luther-Jahr nicht aufgehalten. Dagegen wird es weit mehr brauchen als politische Statements, die, so wichtig sie im einzelnen sein mögen, nur eine von vielen Stimmen im Chor des virtuellen politischen Grundrauschens sind.
Nein, es wird vordringlich eine Stärkung und Erneuerung im Glauben brauchen, an Leib und Gliedern. Packen Sie's an, Herr Bedford-Strohm!

 

Hamburg

 

Hamburg ist ein Schlachtfeld, aber eines ohne Sieger. Es gibt nur Verlierer:

Bundeskanzlerin und -regierung, Regierungsparteien, Regierender Bürgermeister und Senat, die dieses wie immer absehbar ertragslose Gipfeltreffen unbedingt in Hamburg hatten haben wollen, kaum zwei Kilometer von der "Roten Flora" entfernt. Linke und Grüne, die geduckt mit dem Finger auf andere zeigen, statt sich klipp und klar von den marodierenden Schlägern zu distanzieren, die sich, mal abgesehen vom Etikett auf der Flasche, in nichts von den üblen Schlägertrupps der Nazis in der Weimarer Republik unterscheiden. Die Polizei, die durch ein besonneneres Auftreten an den Vorabenden des Treffens das Allerärgste vielleicht hätte verhindern können. Die vielen friedlichen Demonstranten, die angesichts des Schlachtenlärms kein Gehör finden. Die verletzten Polizisten, Demonstranten sowie zwischen die Fronten geratenen Unbeteiligten. Und das politische Klima, das nun noch weiter nach rechts rücken wird.

Dieses Desaster ist ein Produkt dieser Gesellschaft und damit von uns allen, weswegen alle Versuche, die Schuld wieder mal allein beim Anderen zu verorten, pure und feige Selbstgerechtigkeit und Heuchelei sind.

Mögen wir alle etwas daraus lernen. Tragen wir endlich, jeder für sich, unseren Teil an Verantwortung. Sorgen wir dafür, dass sich so Schlimmes nicht wiederholt. Und das geht nur gemeinsam. Ohne Parteiengezänk und ideologische Scheuklappen.

 

Von Speier nach Bayern

 

Die heutige Schreibung Bayerns mit "y" geht auf König Ludwig I. zurück. Er, der Freund der klassischen Antike, ließ die klassizistischen Bauten in München errichten und adelte sein Baiern mit dem Ypsilon der griechischen Sprache.

Auch die Schreibung von Speyer stammt aus dieser Zeit, zumal die Bischofsstadt damals zur bayerischen Pfalz gehörte. Bei Speyer dürfte freilich auch das unschöne Wort speien eine Rolle gespielt haben (die Etymologie ist jedoch umstritten).

 

Geduld

 

Des Autors Königsdisziplin; eine Tugend, die im Zeitalter des World Wide Web, das alles und zu jeder Zeit verfügbar macht, zu einem knappen Gut geworden ist.

Hat also der lange Atem ausgedient? Nein. Gerade als Autor verschieße man sein Pulver nicht zu zeitig. Eine weitere, nur allzu gerne vermiedene Überarbeitung des Manuskripts kann ebenso zielführend sein wie viel Geduld danach - bei der Suche nach einem Verlag oder Agenten. In der Geduld liegt zudem die Kraft; sie befreit, vom missmutigen Warten hin zu neuen Ufern. Wer bereits ein neues Projekt angepackt hat, gewinnt an Profil und entgeht der Ungeduld.

 

Organistenamt einst und jetzt

 

In größeren Städten gibt es seit je hauptamtliche Kantoren, man denke nur an Bach und sein Leipziger Thomaskantorat. In den Dörfern und Kleinstädten indes saßen, bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, fast überall die Lehrer an der Orgel. Deren Berühmtester ist Lehrer Lämpel aus "Max und Moritz". Die verbreiteten Klagen, es habe sich eher um ein Schlagen als ein Spiel der Orgel gehandelt, sind übertrieben, zumal die Lehrerorganisten von engagierten Kantoren und Komponisten mit leicht zu spielender, aber qualitätvoller Literatur versorgt wurden.

Inzwischen gehört es zum Amt der hauptamtlichen Kantoren, sich um nebenamtlichen Nachwuchs für die Landgemeinden zu kümmern.

 

Unser täglich Luther ...?

 

Lutherbrezeln, Lutherwein, Luthersocken ... ahnte der Reformator, wofür er dieser Tage so alles herhalten muss, griffe er vermutlich ebenso hart durch wie Jesus gegenüber den Geldwechslern im Tempel. Es ist so leicht, sich mit Luther zu schmücken. Schwieriger ist es schon zu entwickeln, was Luthers unerschütterlicher Glaube uns heute noch zu sagen hat und wie die heutige Kirche in seinem Sinne zu reformieren wäre. Da kommt von den Kirchen der Reformation eher wenig. Aber geben wir, gut lutherisch, die Hoffnung nicht auf. Das Lutherjahr währt noch einige Zeit.

 

Bamberger Gschichtla (1): Das Apfelweibla

 

Bamberg, Eisgrube 14, ein Türknauf wie ein Apfelgesicht. Es inspirierte E.T.A. Hoffmann zu seiner Erzählung Der goldene Topf.

Hoffmann war nicht bloß Autor, sondern auch ein herausragender Musiker. Er war von 1808 bis 1813 Musikdirektor des Bamberger Theaters. Doch hatte er zuvor seine Stelle als Jurist in Warschau verloren, und so galt er, der versierte Komponist, in Bamberg nur als Dilettant. Bei seiner Abreise 1813 überschrieb er seine Bamberger Zeit als üble Lehr- und Marterjahre.

 

Bamberger Gschichtla (2): Der Prostata-Brunnen

 

Vor vierzig Jahren an Gründonnerstag 1977 wurde in Bamberg, als krönender Abschluss der neuen Fußgängerzone, mit viel Aplomb ein Brunnen in Dienst gestellt. Er bestand aus etwa hundert unterschiedlich langen und zu drei symmetrischen Kreisen gestellten Metallröhren, als denen je eine Wasserfontäne in die Höhe steigen sollte.

Doch als der Oberbürgermeister auf das rote Knöpfchen drückte, quoll aus den Röhren nur ein dürres Rinnsal, weshalb der Brunnen im Volksmund bald den Namen Prostata-Brunnen bekam - und nach einem Jahr wieder abgebaut wurde.

Heute gibt es an dieser Stelle den Gabelmann, einen anderen Brunnen mit Neptun und güldenem Dreizack.

 

Karl Valentin (1882-1948)

 

Er war ein Künstler-Genie. Ohne nennenswerte Anleitung spielte er beinahe ein Dutzend Musikinstrumente, von der Zither bis zum Fagott; er sang, komponierte, arrangierte und inszenierte. Zog auf der Bühne, zusammen mit seiner Liesl Karlstadt, das Publikum mit seinen Sprachverdrehungen in den Bann. Und war doch nach seinem Tod in München, seinem München, erschreckend schnell vergessen.

So sei hier an ihn erinnert, den, gleich mir, von Ängsten geplagten Hypochonder, dessen visionärste Figur, der Buchbinder Wanninger, weit über München hinaus sprichwörtlich geworden ist.

 

Sonderbare Ortsnamen (1): Berlin

 

Die Etymologie ist nicht unanfechtbar geklärt. Wie alle Ortsnamen auf -in im Nordosten des deutschen Sprachraumes ist Berlin sicher slawischen Ursprungs, alles andere verliert sich im märkischen Flugsand.

Die Keimzelle des Ortes im 12. Jahrhundert ist in der Nähe des heutigen Mühlendamms zu vermuten. Etwas weiter südlich lag Cölln (vgl. der heutige Bezirk Neukölln), das bald mit Berlin zu einer Doppelstadt vereinigt wurde. Während Cölln sicher eine Anleihe von Köln am Rhein ist (die heutige Schreibung Kölns mit k setzte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch), wird Berlin vermutlich auf die altslawische Wurzel birl (= Sumpf) zurückzuführen sein.

 

Sonderbare Ortsnamen (2): Schaffhausen

 

So fleißig die Schweizer auch sind, mit dem Verbum schaffen hat Schaffhausen nichts zu tun. Der Ortsname kommt vermutlich von ahd. szafa (Schiff), denn der Schifffahrt hat Schaffhausen seinen Reichtum zu danken. Wegen des benachbarten Rheinfalls mussten die Rheinschiffer ihre Güter auf dem Landwege durch die Stadt fahren, und die ließ sich diese teuer verzollen. In gleichem Sinne ist auch eine Ableitung von ahd. szapf (Scheffel) denkbar. Des weiteren von dem althochdeutschen Wort für Schaf, tragen doch Münzen der Stadt einen Widder.

 

Sonderbare Ortsnamen (3): Maulbronn

 

Das weitberühmte Kloster in Württemberg hat einer Legende nach (wenn's nicht stimmt, ist es stimmig erfunden) seinen Namen von einem durstigen Maulesel, der sich, am Orte des heutigen Klosters, an einer Quelle gütlich tat, weshalb die reisenden Mönche dort ihr Kloster gründeten.

Einer anderen Kunde nach stammt der Name Maulbronn von einer älteren Ansiedlung namens Mulenbrunn her, ein Namen, der ebenso gedeutet werden könnte, als "Brunnen der Mulis". Eher anzunehmen ist aber die Herleitung von einer an dem Flüsslein Salzach gelegenen Mühle.

 

Sonderbare Ortsnamen (4): Schweinfurt

 

Friedrich Rückert haderte sehr mit seiner (und meiner) Geburtsstadt: "Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt heißen können, weil du führest Wein, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein."
Der bereits 791 bezeugte Name leitet sich entweder von suin/swin (= Schwein) oder von einem niederdeutschen Wort suin (= Sumpf) ab. Eine zeitweise euphemistische Deutung des Namens als Furt der Schwaben ist dagegen nicht schlüssig.

 

Verschwundene Wörter (1): Lenz

 

Ist nur mehr in alten Volksliedern lebendig. Heutigen Tages grüßt uns ausschließlich der Frühling, der Lenz dagegen ist ins Komische abgeglitten - in Kalauer wie "Der hat schon fünfzig Lenze."
Dabei war der Lenz bis ins siebzehnte Jahrhundert unangefochten. Erst um 1700 wurde er vom Frühling verdrängt. Etymologisch ist Lenz aus dem Wort "lang" hervorgegangen, wegen der immer länger werdenden Tage. Und er dürfte entfernt verwandt sein mit dem englischen Wort Lent, das ebenfalls nicht mehr den Frühling, sondern die Fastenzeit vor dem Osterfest bezeichnet.

 

Verschwundene Wörter (2): Scheffel

 

Seit Luthers Bibel-Übersetzung in aller Munde, als Wink mit dem Zaunpfahl gegen allzu große Bescheidenheit. So sehr in aller Munde, dass sich ein Sturm der Empörung erhob, als Scheffel bei einer früheren Revision der Lutherbibel durch das moderne Eimer ersetzt werden sollte.
Im wörtlichen Sinn ist Scheffel ein Holzgefäß oder -bottich, dazu zeitweise auch ein Maß für Getreide. Das freilich weiß heute kaum jemand mehr.

 

Verschwundene Wörter (3): Harm

 

Das aus der Alltagssprache fast verschwundene Wort meinte einst Schaden, Leid.  Heute bedeutet es seelische Belastung. Dazu die Wörter verhärmt und abgehärmt = von den Wechselfällen und Sorgen des Lebens gezeichnet.

Überlebt hat hingegen das Adjektiv harmlos - in der Ausgangs-Bedeutung unschädlich, unbedenklich. Und im Englischen ist harm gleich Schaden nach wie vor in allgemeinem Gebrauch.

 

Verschwundene Wörter (4): Minne

 

Altes deutsches Wort für Liebe - bis hin zu Luther entlang des Rheins und an der oberen Donau beheimatet. Später leider durch das sächsische Lutherdeutsch verdrängt und als derb und anstößig empfunden, jedoch dann durch die Romantiker wiederbelebt. Heute nur mehr im Worte Minnesang lebendig - welcher ebenfalls vor allem im Südwesten des Deutschen Reiches angesiedelt war.

 

Verschwundene Wörter (5): Wörth

 

Altes deutsches Wort für Insel (dieses von lateinisch insula, also ein Lehnwort) und aus dem allgemeinen Wortschatz verschwunden. Lebt indes in diversen Schreibweisen weiter in Ortsnamen (Donauwörth, der Wöhrder See in Nürnberg). Nahe des Rheins zuweilen auch in der Schreibung Werth (Wertheim, Clemenswerth).
Im Niederdeutschen Werder (und fußballtechnisch noch eher in aller Munde). Dazu in Ortsnamen wie Finkenwerder.

 

Martin Luther

 

Ja, er war ein schwieriger Mensch. Hat gegen die Juden und die aufständischen Bauern gewettert. Konnte stur und rechthaberisch sein und war so deutsch, dass er vielleicht bis heute der deutscheste aller Deutschen ist. Oder, in der Sprache der Bibel: Dem einen ein Ärgernis, dem andern eine Torheit.

Jedoch versuche man nicht, ihn weichzuspülen; man lasse ihm seine Ecken und Kanten. Vor allem aber kommerzialisiere man ihn nicht, wie ein schickes Parfum, mit dem man sich flüchtig umgibt.
Und man lerne von ihm: vielleicht müssen die Kirchen, um Gehör zu finden, wieder zum Ärgernis werden.

 

Bebra

 

Es war einmal ein großer Bahnhof. Noch 1990 gab er Hunderten Arbeit und Brot. Die D-Züge und Intercitys verbanden ihn mit München und Bern, Kopenhagen und Budapest, auch mit Leipzig und Dresden. Zwei Ringlokschuppen, voller Leben, mit dem Odeur von Öl und Mannes Kraft. Und heute?
Fahren (fast alle) Züge nur mehr bis Kassel und Fulda. Kein Bediensteter weit und breit, das einst stolze Bahnhofsgebäude ausgeweidet, dem Verfall preisgegeben. Traurig - aber Bahn.

 

Fränkisch für Anfänger (1): aweng

Ist allenfalls annäherungsweise ein wenig. Schon eher mit Augenmaß und Bedacht oder auch mit viel, viel Herz.

Gerne auch zur Abmilderung eingesetzt, zum Beispiel beim Blick auf die Todesanzeigen in der Zeitung: "Jo wer is denn heut aweng gstorm?"

 

Fränkisch für Anfänger (2): fei

 

Nicht zu übersetzen - allenfalls ins Bayrische, wo es dieses Wort auch gibt. Dient uns zur augenzwinkernden Bekräftigung: "Sou geht des fei ned". Oft schwingt auch etwas Trotz mit rein: "Ich bin fei aa no da!"
Ist kein fränkischer Eigensinn - ähnliche Wörter gibt es auch in allen anderen deutschen Mundarten.

 

Martin Meyer, Ihr meine gar bösen, ungeduldigen Bücher. Verlag Längst & Überständig, Wartaweng

 

Sie liegen vollkommen richtig: Dieses Buch schreibe ich nicht, trotz meines schlagenden Lesegewissens – denn ich spüre, meine Bücher haben Geduld mit mir.

Ferner: Bereitet nicht allemal bereits deren kontemplative Schau ein tiefes bibliophiles Behagen?

 

Twitter

 

Jetzt zwitschere ich auch. Doch auch hier gilt: Man muss sich erst hoch zwitschern, dass man wirklich durchdringt. Es braucht einen langen Atem und stets den rechten Post zur rechten Zeit.
Doch auch hier gilt meiner Erfahrung nach: Man verzettle sich nicht. Wer seine eigenen Projekte hintanstellt vor lauter Zwitschern und Facebooken, der hat bald nichts mehr zu zwitschern.

Und man tanze nicht auf zu vielen Hochzeiten. Zwei Netzwerke, gezielt und mit Bedacht bespielt, sind besser als gelegentliche Posts ins Nirwana.

 

Bob Dylan

 

Ja, er ist ein großartiger Künstler. Er ist auch ein Poet. Ich möchte daher nicht sagen, die Zuerkennung des Literatur-Nobelpreises sei falsch. Aber sie ist fragwürdig.

Sie ist es deswegen, weil sie impliziert, als gehe es, Donald Trump vor Augen, weniger um literarische Kriterien als um politische Statements. Bereits die Vergabe im Vorjahr an eine russische Journalistin und Dissidentin weist in diese Richtung. Warum sonst hat sich das Komitee so schwer getan, dass es die Bekanntgabe an Dylan um eine Woche verschob - ein in meiner Erinnerung einmaliger Vorgang?

Um die politische Wirkung einer Person zu ehren oder sie in den Kontext der Tagespolitik zu stellen, gibt es der Mittel genug, aber nicht den Nobelpreis für Literatur. Sonst werden Autoren durch das Raster fallen, deren Werk sich einer direkten politischen Verwertung entzieht.

 

Vom Übersetzen

 

Übersetzers Brot ist trocken Brot. Sie sind zwar im Vorspann des Buches aufgeführt, aber sie werden schlecht bezahlt und arbeiten unter Zeitdruck. Schwierig ist es auch, die hohe Qualität ihrer Arbeit zu ermessen, müsste man doch hierzu beide Sprachen gleichermaßen gut beherrschen.

Desto mehr sei hier eine Lanze für sie gebrochen. Denn eine gute Übersetzung ist mehr als „Subjekt, Prädikat, Objekt“. Sie kann bei einigen Sachbüchern auch einmal auf eine völlige Neubearbeitung des Werks hinauslaufen.

 

Öde Orte?

 

Sie haben Konjunktur, Beschreibungen angeblich öder und unansehnlicher Orte. Ja, nicht überall hat das Weichbild einer Stadt all die Zeitläufte heil überstanden. Aber ist nicht auch Rothenburg ob der Tauber auf seine Art öde, grad weil es eben nichts Anderes, Ehrlicheres sein darf als herausgeputzt alt? Wie sieht es im Innern dieser Lästerer aus? Woher kommt ihre Lust am Lästern?

Lassen wir den Orten ihre Schrunden und Kanten, und bereisen wir sie. Trotz allem. Nein, gerade deswegen.

 

Potthässlich?

 

Besucht man Dortmund, Essen oder Gelsenkirchen, ist das Verdikt zumeist schnell gefällt: Geschichts- und reizlos.

Sie sind es nicht. Geschichte ist nicht gleich Barock, Fachwerk oder Butzenscheiben. Sie ist geschichtet und trägt wie Sedimente Schorf und Grind der Zeit. Und wer die Städte des Ruhrgebiets an Lübeck oder Regensburg misst, vergleicht Äpfel mit Birnen. Denn als etwa Herne und Oberhausen durch die Industrie vom Dorf zur Stadt wuchsen, hatte so manche einstige Reichs- oder Hansestadt ihre beste Zeit bereits hinter sich.

 

Kleines Bestiarium der Orthographie

 

Warum sind es allenthalben die gleichen Wörter, die falsch geschrieben werden; selbst von Menschen, die schreiben können?

Oft steckt eine falsche Analogie dahinter; man schließt unzutreffend von einem ähnlichen Wort oder Wortteil her: Wer entgültig schreibt, hat die Vorsilbe ent- im Kopf – und denkt es nicht zu Ende. Bei säen mit h schimmert nähen durch. Und schwupps prangt darunter die Wellenlinie. Hoffentlich.

 

Unserer Katze Freya zum Gedenken

 

Vor sechs Wochen noch schärftest Du an Deinem Kratzbaum die Krallen, augenscheinlich gesund. Und doch wohl schon schwer nierenkrank.

Stets hast Du tapfer die Zähne zusammengebissen, nach dem schweren Unfall im Sommer 2010 und nun vor einer Woche, als selbst beim Tierarzt jede Hilfe zu spät kam.

Du hast mich treu durch unruhige Zeiten und Wenden begleitet. Mir gern beim Schreiben zugeschaut und Dich zuweilen auf meine Manuskripte gelegt.

In unseren Herzen lebst Du weiter.

 

München und wir

 

Erneut schallt uns entgegen, die Medien hätten überreagiert. Aber das lenkt vom Kern der Sache ab. Denn uns suchen die „Medien“ zu befriedigen. Uns, die wir online bestellen, weil wir uns nicht mehr gedulden können, bis anderntags die Geschäfte öffnen. Uns, denen ständig suggeriert wird, von der Erkenntnis nur einen Smartphone-Wisch entfernt zu sein. Und unseren Geltungsdrang, es bereits im Atemzug des Schreckens besser gewusst zu haben.

Meine Bitte: Werden wir erst mal stille. Das ist kein Quietismus, sondern dient der wahren Erkenntnis. Einer, die zögert, schaut und in Ruhe nachdenkt.

 

Facebook-Egomanen

 

Wen ich auf dem Rummel aller Eitelkeit namens Facebook am meisten bedaure? Vielleicht all jene, die keinerlei aufrichtigen Anteil nehmen am Leben ihrer „Freunde“, weil es ihnen einzig und allein darum zu tun ist, ihr Ego (beispielsweise ihre politischen und religiösen Botschaften oder ihre Werbung) in Szene zu setzen.

Schade, um jede(n) von ihnen: Was für ein überreich gedeckter Tisch bleibt ihnen dadurch verborgen!

 

Moderne Architektur, später stringent zu Ende gedacht: Die neue Kunsthalle in Schweinfurt

 

Sie war ein Hallenbad, erbaut in den zwanziger Jahren, im Stil der Neuen Sachlichkeit. Zu meiner Schulzeit mied ich diesen Ort des Schul-Schwimm-Unterrichts. Ich war kein guter Schwimmer und fürchtete mich vor dem Sprungturm.

Desto freudiger betrete ich ihn heute: Säle, die wie geschaffen sind für Kunst. Eröffnet mit einer Ausstellung über den Main, beherbergt die Kunsthalle derzeit Werke des Expressiven Realismus. Womit sich der Kreis zu den zwanziger Jahren schließt.

 

Schach dem Inquit?

 

Man verwende keine Sprecher-Verben, sondern reichere den Dialog mit Handlung an. Im Grundsatz teile ich das, zumal bei farblosen Verben wie sagen oder antworten.

Doch gibt es auch knottern oder nölen – Verben, die lautmalerisch sind und im Leser ein Bild entstehen lassen. Und noch etwas schätzt der Leser nicht: mit dem Bleistift lesen, um auseinanderzuklamüsern, wer jetzt was sagt. Hier können Inquits, sparsam eingesetzt, für Abhilfe sorgen.

Auch schweigen ist übrigens ein beredtes und mächtiges Verb. Wenn man es damit nicht übertreibt.

 

Autor Unpolitisch?

 

Sorry, ich verbreite hier keinerlei tagespolitische Statements. Solches mag zu dem Schlusse verleiten, ich besäße keine (oder die falschen) Überzeugungen. Weit gefehlt. Mein Credo: Politisches Denken und Handeln sei liberal - jedoch nicht à la FDP, sondern frei von allen Dogmen, Lebenslügen und Denkverboten.

Vor allem jedoch: Die Wahrheit, auch in der Politik, ist nie schwarz oder weiß. Wer, gleich welcher Couleur, immer nur in eine Richtung keilt, verliert den Blick für die Zwischentöne der Ausgewogenheit. 

 

Lob des Konjunktivs

 

Warum schreibt (geschweige denn spricht) niemand mehr „hülfe“? Oder „kröche“? Wegen des kruden Umlauts? Als Folge des englischen „would“? Oder bloß deshalb, weil man sonst über die eigene Sprache mal nachsinnen müsste?

Gewiss ist nur eines: Dass dadurch wieder ein Stück Klangreichtum der deutschen Sprache verschwände.

 

Social Media

 

Was ist des Autors täglich Brot? Das Anzwitschern gegen das virtuelle Grundrauschen, also die Suche nach dem genialen, dem ultimativen Post.

Hierzu hilft mir ein Jahrhunderte alter Rat: Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt. Verrenne Dich nicht und zähle nicht täglich die grauen Haare. Pflege die Königsdisziplin aller Schriftsteller, die Geduld und halte zu jeder Stund Papier und Stift bereit.

Denn er kommt wie ein Dieb, der Geistesblitz. Alle Tage neu.

 

Furt sei das Schwein …? – Bei mir kehret ein …! Zum 150. Todestag Friedrich Rückerts

 

Richtig froh wurde Rückert mit seiner (und auch meiner) Geburtsstadt Schweinfurt nicht. Auch als Schriftsteller nicht. Für einen Poeten war er stets zu wissenschaftlich, für einen Wissenschaftler viel zu poetisch. Bestand hat er freilich als Übersetzer - der Sprachen des Orients.

Wie not täte auch heute so ein Brückenbauer zwischen Ost und West!

 

Phänomenologie der Autoren (1): Der Genießer

 

Heutigen Tags mutmaßlich der häufigste Typus: Kleiderordnung salopp. Schreibtisch nicht zu aufgeräumt, eher kreatives Chaos.

Dazu, ganz nach Gusto, Butterkekse, Vollnuss-Schokolade oder Gummibärchen. Oder nur eine Tasse Kakao oder Cappuccino.

 

Phänomenologie der Autoren (2): Der Geometer

 

Schreibt seine Texte - selbst bloße Notizen - im Blocksatz, denn jeder flatternde Zeilenrand beeinträchtigt sein geometrisches Gleichgewicht.

Dessen zweite Potenz ist der Zeilen-Geometer, der in jeder Zeile so viele Zeichen wie nur irgend möglich unterbringt, um die durch den Blocksatz bedingten Lücken zwischen den Wörtern zu minimieren.

 

Phänomenologie der Autoren (3): Das Genie

 

Wie einst Thomas Mann: Nicht von dieser Welt, jedenfalls zwischen 9 und 12 (bei anderen 14 und 18) Uhr. Weiß alles über Lotte und Weimar oder strengen Kontrapunkt. Aber nicht, wo im Hause Geld zu finden ist.

Benötigt deshalb Ehegespons, Kinder, Dienstboten etc. pp., die ihm, dem Genie, allfällige Briefträger, Telefonate und ähnliche Imponderabilien ersparen.

 

Bilder einer Ausstellung

 

In Museen summe ich öfters Mussorgskys Bilder einer Ausstellung dazu; Musik, die dieser Komponist wie im Fieber geschrieben hat, nach dem Besuch einer Gedächtnis-Ausstellung des verstorbenen und mit ihm eng befreundet gewesenen Künstlers Victor Hartmann. Ein Gipfel der Musikgeschichte!

Wo ich dieser Tage war? In der Schirn zu Frankfurt, in: Sturm-Frauen, Künstlerinnen der Avantgarde.

Was Mussorgsky wohl auf diese Ausstellung hin komponiert hätte?

 

Sich Ent-Grenzen

 

Nochmals zurück, in den Sturm. Was hatten diese Frauen damals für einen Mut. Sich Ent-Grenzen, auszubrechen, aus sich selbst, den Grenzen der damaligen Männer-Gesellschaft. Mussorgsky, dieses musikalische Genie, vermochte solches nicht. Blieb stecken im Korsett seiner Kleinbürgerlichkeit und wurde darüber depressiv.

Und wir Heutigen? Ist uns nicht Mussorgsky gefährlich nah, näher als der Wirbelwind des Sturm?

 

Orte und Örter (1): Schweinfurt

 

Eher zufällig dort geboren, späterhin, allda zurück, meist einsam im Gymnasium gesessen und inmitten trauriger Backsteinfluchten auf den Bus gewartet …

Und dennoch geht es mir dort jedes Mal wie Heinrich Heine … so wunderlich, als käme ich nach Haus.

 

Orte und Örter (2): Pappenheim

 

Anders als noch bei Schiller, nur mehr von minderem Ansehen. Doch immer noch Stadt. Kann sich freilich damit trösten, dass es noch kleinere gibt. Duckt sich tief unter einen Bergsporn und zwingt die Altmühl zu einem Bogen außenherum.

Ich bin auch so ein Pappenheimer; ich habe dort gelebt, und ich kenne mich ganz genau: Wie die Altmühl nehme ich oft nicht den direkten Weg, sondern beobachte meine Umwelt von allen Seiten.

 

Lasst es doch raunen!

 

Imperfekt? Irrtum, das heißt "Präteritum". Perfekt? Falsch, das ist das "Präsensperfekt". Dativ? Veraltet, der heißt heute "indirektes Objekt". Typisch deutsch - weil Ausfluss von Übergründlichkeit und Internationalisierungsdrang.

Thomas Mann wusste es besser - er sprach (in seinem "Zauberberg") vom "Erzähler" als dem "raunenden Beschwörer des Imperfekts". Mit welchem Recht? Weil allem "Raunen" eine geheimnisumwitterte Un-Schärfe innewohnt, die nicht das Präteritum, sondern nur das Wort "Im-Perfekt" kennt.

 

Danke, Ihr lieben ... 

 

mein Griffel zaudert: (Autoren-)Kolleg(inn)en? Erinnert mich an Behörde, an Schnitzel in der Kantine. Freundinnen und Freunde? Klingt mir fast zu arg nach Facebook. Schwierig, sehr schwierig.

Aber ich weiß wohl, Ihr versteht mich auch so: Ihr vielen lieben Menschen, die Ihr mir, sei es schon vor Jahren, sei es erst gestern, auf meinem Wege zum Schriftsteller begegnet seid und mich darauf begleitet und weiter fortzuschreiten ermutigt habt.

 

 

Martin Meyer
Schriftsteller und Musiker

 

 

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